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Ein Hund braucht mehr als nur Bewegung

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Spiel und Spaß sind ja schön und gut, doch ein Hund braucht weit mehr als nur genügend Bewegung. | © Gudella/photodune.net

Hunde brauchen mehr als sie kriegen

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Hunde extrem viel Bewegung benötigen. Wer Wildhunde, oder eben die verwandten Wölfe beobachtet, wird schnell feststellen, dass hier bis zu 20 Stunden Schlaf am Tag gar keine Seltenheit sind. Der Hund in natürlicher Umgebung würde und wird also nie den ganzen Tag herumtollen, laufen, oder gar rennen. Das wollen die Halter, das wollen die übertrainierten Agility-Fanatiker, das wollen die, die sich nicht ernsthaft mit dem Wesen Hund beschäftigen, sondern nur ein weiteres Hobby suchen, ein Zeitvertreib oder etwas zum angeben. Das wird immer dann besonders deutlich, wenn der Hund unfassbar viele Tricks gelernt hat, aber null Bindung besteht und auch keine echte Kommunikation mit dem Halter stattfindet. Der Hund braucht mehr als nur Bewegung, vor allem aber braucht er von all dem nicht zu viel. Ein Artikel über gute und schlechte Hundehalter.

Kontakt und Rudelzugehörigkeit des Hundes

In erster Linie ist euer Hund zunächst einmal ein Mitglied eurer Gemeinschaft. Der Hund braucht euch. Viel zu wenig Hundehalter nehmen sich richtig Zeit für ihren Vierbeiner. Ehrliche, echte Zeit. Dabei geht es auch gar nicht so sehr darum, in dieser Zeit mit dem Hund zu toben, zu spielen, Fahrrad zu fahren, den Dog Scooter herauszuholen, oder ähnliches. Es geht ganz einfach darum, den Hund als Teil der Gemeinschaft zu sehen, als Teil des Rudels. Einfach mal gemeinsam auf der Couch liegen, sogenanntes Kontaktliegen vollziehen. Einfach mal ein wenig kraulen und kuscheln, sich beschäftigen, ohne dabei direkt etwas zu tun. Viele Hundehalter unterschätzen dies und sind immer nur mit ihrem Hund aktiv, verbringen aber nie ehrliche Zeit mit ihm. Nehmt euch diese Zeit. Das ist gut für das Wohlbefinden des Tieres und stärkt die Bindung. Es ist so viel wichtiger, als einfach nur mit seinem Hund spazieren zu gehen, oder Sport zu treiben.

Gemeinsam erleben, statt nebeneinander her

So ähnlich verhält es sich auch auf Spaziergängen. Ihr ahnt gar nicht, wie oft ich Hundehalter treffe, die null mit ihrem Hund kommunizieren, sich nicht einmal ansatzsweise mit ihm beschäftgen. Gerade heutzutage und mit dem mobilen Internet der meisten Smartphones, hängen die Leute fast immer nur vor dem Handy, tippen ihre Nachrichten, während der Hund macht was er will, wo er will, wie er will. Nicht nur, dass große Hunde so oft zu einer Gefahr für kleine Hunde werden, auch der Hund selbst wird völlig sich selbst überlassen. Das liegt so aber gar nicht in seiner Natur und es ist absolut falsch. Ein Spaziergang sollte gemeinsam erlebt werden. Springt über Baumstämme, versteckt Leckerlies, entdeckt Schleichpfade abseits der großen Wege und macht den Spaziergang für euren Hund zum Erlebnis. Denkt immer daran: Hunde sind nicht blöd und auch sie langweilen sich, wenn ihr jeden Tag die gleiche kleine Runde durch den Park geht. Trotzdem brauchen Hunde mehr als nur Bewegung, nämlich sinnvolle Beschäftigung, angereichert mit Übungen und Erlebnissen. Stumpfes Spaziergehen also unbedingt vermeiden.

Kopfarbeit fordert und fördert das Gehirn

Total unterschätzt wird allgemein die Kopfarbeit mit einem Hund. Intelligenz scheint für viele Hundehalter eher nebensächlich, um nicht zu sagen unwichtig zu sein, doch das Gegenteil ist der Fall. Grob gesagt kann man sich das Hirn wie ein Muskel vorstellen. Wird das Hirn also trainiert, steigen die Intelligenz und das Denkvermögen entsprechend an. Fordert ihr aber nie den Kopf eures Hundes, verdummt er, kann Probleme nicht mehr lösen, gibt sich weder Mühe, noch wäre er in der Lage bestimmte Situationen zu meistern. Für mich ist es gerade bei den kleinen Hunden enorm wichtig, die Intelligenz hoch zu halten. So gibt es inzwischen Intelligenzspielzeug für Hunde, mit dem gezielt das Gehirn und sogar einzelne Bereiche trainiert werden können, indem es den Hund vor ein paar typische Probleme stellt, die er mit einfachen Schiebern oder Reglern entsprechend lösen muss. Mal mehr und mal weniger schwer, mal knifflig und mal offensichtlich. Eine schöne Auswahl an Intelligenzspielzeug für Hunde findet ihr hier. Allgemein ist es einfach wichtig, seinen Hund mit Denkspielen zu fordern und zu fördern, damit er nicht verdummt und lernt bestimmte Situationen selbständig zu lösen. Clevere Hunde sind was wirklich tolles, weil man mit ihnen regelrecht kommunizieren kann.

Ein Familienmitglied, kein Gegenstand

In erster Linie möchte ich damit vor allem eines sagen, nämlich das was zu Beginn des Artikels schon Thema war. Der Hund braucht mehr als nur Bewegung. Agility und Co kommen vom Menschen, machen in erster Linie dem Zweibeiner Spaß, bringen dem Hund aber nur bedingt etwas, setzten ihn im schlimmsten Fall sogar unter Druck oder erzeugen Erwartungshaltungen. Der Hund möchte nur bei euch sein, der Hund braucht nicht ständig stundenlang zu laufen, denn der Hund schläft in der Natur locker mal zwanzig Stunden am Tag. Wichtig ist für euren Hund also, dass ihr euch mit ihm beschäftigt. Ernsthaft beschäftigt, nicht oberflächlich, nicht nebenbei, nicht mit dem Handy in der Hand. Die Zeit, die ihr mit eurem Hund verbringt, muss seine Zeit sein. Es geht um mehr als nur darum, alle paar Stunden mit ihm vor die Tür zu gehen. Es geht darum gemeinsam etwas zu unternehmen, gemeinsam zu sein und gemeinsam zu leben. Weil der Hund kein Dekorationsgegenstand ist und auch kein Statussymbol, sondern ein Familienmitglied. Eines welches viel zu oft, viel zu kurz kommt.